15.11.2010
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das klare Votum für meine Wahl zum Präsidenten des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU) betrachte ich nicht nur als einen großen Vertrauensvorschuss, für den ich der Mitgliederversammlung sehr danke. Es ist mir zugleich Verpflichtung, mit einer aktiven und zukunftsweisenden Berufspolitik dafür zu sorgen, die allgemeine Wertschätzung unseres Standes weiter zu fördern und die wirtschaftliche Situation der Urologinnen und Urologen in Praxen und Kliniken weiter zu verbessern. Ich danke auch meinem Vorgänger im Amt des BDU-Präsidenten, Dr. Martin Bloch, für die von ihm während der vergangenen vier Jahre geleisteten Arbeit.
Ich bin jetzt zwar der „Neue“ an der Spitze unseres Berufsverbandes, aber einige kennen mich bereits aus den mehr als 16 Jahren, die ich in BDU-Gremien aktiv bin. Sei es als Präsidiumsmitglied, als Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein, als Mitglied im Hauptausschuss oder als Gründungsmitglied des Innovationsausschusses – immer bestimmen Transparenz und Ehrlichkeit mein politisches Handeln.
In der Führung unseres Berufsverbandes erachte ich einige neue Akzente als notwendig: Die Teilhabe der einzelnen Mitglieder muss gesteigert werden. Auch die Möglichkeiten der Mitsprache unserer Gremien sollten erhöht werden. Nur derart gestärkt kann der Berufsverband im gesundheitspolitischen Geschäft wirkungsvoll gegensteuern. Auch die Landesverbände müssen effektiver unterstützt und eingebunden werden, dürfen nicht länger mehr oder weniger auf sich selbst gestellt bleiben.
Zudem setze ich mich dafür ein, eine ergänzende Interessenvertretung vor Ort zu fördern. Regionale urologische Netze und Verbünde möchte ich stärker in die Arbeit unseres Berufsverbandes einbinden. Die Bündelung aller urologischen Interessen ist das Gebot der Zeit. Wie erfolgreich die Stärkung der regionalen Kompetenz sein kann, hat das Beispiel des Bund der Urologen e.G. (BUND e.G.) gezeigt. Es ist mir ein besonderes Anliegen, den Berufsverband und diese urologische Genossenschaft wieder enger zusammenzuführen, da beide Seiten von einer konstruktiven, sich ergänzenden Kooperation profitieren können.
Ebenso wichtig ist es mir jedoch auch, die vertrauensvolle Partnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in bewährter Weise fortsetzen. Weder die wissenschaftliche Gesellschaft noch der Berufsverband könnte auf den jeweils anderen verzichten.
Der Berufsverband steht vor zentralen inhaltlichen Herausforderungen: Etwa die Musterweiterbildungsverordnung oder auch die aktuelle Onkologievereinbarung. Letztere stellt für die Existenz der urologischen Praxen eine so massive Bedrohung dar, dass umgehend gegengesteuert und der Versorgungsanspruch behauptet werden muss. Aber auch zu den Stichworten GOÄ-Novelle, Paragraph 116 b oder sektorübergreifende Versorgung sind wir dringend gefordert. Den Trend der neuen Versorgungsformen müssen wir intensiv mitgestalten und eigene Konzepte entwickeln, um eine zukunftssichere Gesundheitsversorgung in Deutschland wohnortnah und flächendeckend zu gewährleisten. Mein Credo ist Kooperation statt Konfrontation, wenn es um die beiden fachärztlichen Versorgungsebenen Praxis und Klinik, ambulant und stationär, geht. Um unsere Ziele zu verwirklichen, brauchen wir mehr Lobbyisten in Bund, Ländern und auf den regionalen Versorgungsebenen.
Für die Stärkung unserer politischen Durchsetzungsfähigkeit braucht ein moderner BDU aber auch professionelle Strukturen und eine neue Ausrichtung, in der transparentes Handeln der Organe, die Mitsprache und Information der Basis sowie kollegiale Zuwendung die Maßgaben sind. Für eine zukunftsweisende Berufspolitik setze ich mit dem BDU auf innovative Versorgungskonzepte, neue Kooperationsformen und eine engere Verzahnung der urologischen Leistungsbereiche. Dabei muss das Motto agieren statt reagieren lauten.
Mit aller Kraft werde ich mich dafür einsetzen, den BDU im Sinne einer effektiven Interessenvertretung dynamisch weiterzuentwickeln. Jedes einzelne Mitglied ist aufgefordert, sich aktiv daran zu beteiligen.
Ihr
Dr. Axel Schroeder
Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V.

